„Schöner wohnen“ könnte über dem Anwesen stehen, in das die Emsdettener Firma FACE gezogen ist. Raus aus dem beengten Gewerbegebiet ging es aufs platte Land, wo Deutschlands vielleicht größter Discotheken-Ausstatter jetzt auf einem ehemaligen Bauernhof residiert. disco-magazin hat Heiner Feldhaus und sein Team besucht.
Die emsige Kleinstadt Emsdetten im Münsterland liegt nur wenige Fahrminuten entfernt. In der Bauerschaft Hollingen ticken die Uhren noch anders. Fuchs und Hase scheinen sich hier gute Nacht zu sagen. Neuerdings kommen andere Klänge hinzu. Mit der Firma FACE hat sich inmitten der Felder und Wälder ein Unternehmen niedergelassen, das zu den bedeutendsten im Discotheken-Bereich zählt. 150 meist größeren Tanz-palästen hat Heiner Feldhaus den technischen Schliff verpasst. 80 davon betreut er noch heute regelmäßig.
Bei angenommenen 500 Besuchern pro Nacht dürften hochgerechnet unter den von FACE installierten Boxen und Scheinwerfern bereits weit über 100 Millionen Menschen getanzt haben. Und noch ein Zahlenspiel: Allein in den letzten acht Jahren hat FACE 1800 Endstufen mit einer Gesamtleistung von 2,3 Milliarden Watt, 86 BSS „ Soundweb 9088“, über 500 Moving-heads und 85.000 Liter Nebelfluid verbaut oder geliefert. Entstanden ist die Idee zur Technik-Firma auf der wohl schönsten Messe der Disco-Welt, der SIB in Rimini. 1989 sitzen Heiner Feldhaus, der bis dahin mit einer Einzelfirma über der Ibbenbürener Discolegende „Clash“ aktiv war, und Soundprofi Hubertus Albers, der heute als Atze Schröder die Welt betört, in einer lauschigen Taverne der Fischereikooperative am Hafen und lassen es sich gut gehen. Wenige Wochen später im Juli 1989 erblickt FACE das Licht der Welt. Hubertus Albers hatte den Namen vorgeschlagen, der sich damals vom Refrain des Hits „Face to face“ in seine Hirnwindungen eingebrannt hatte. Schon Anfang der 90er-Jahre endete jedoch die Beteiligung des fröhlichen Comedy-Machos.
Heute zählt FACE vier Mitarbeiter und zahlreiche Free Lancer in ganz Deutschland. Das war nicht immer so. „Man kann sagen, dass die meisten Kunden inzwischen eigene Haustechniker haben, die vieles in Eigenleistung abwickeln,“ erklärt der 51-jährige Firmenchef, „man liefert und führt am Schluss die Inbetriebnahme durch. Das unterstützen wir auch, weil es für die weitere Betreuung wichtig ist.“ Neuester Mann im Kompetenzteam ist der erst 27-jährige Sebastian Bitter, der vier Jahre lang als technischer Leiter in der Pikkemaat-Gruppe tätig war. Bitter hat die Projektleitung für Licht-und Videotechnik inne.
In der Bauerschaft Hollingen residiert das Unternehmen in einer umgebauten alten Scheune mit Blick ins Grüne. Lager und Büro umfassen 250 qm und damit etwas weniger als zuvor im Gewerbegebiet an der Hollefeldstraße. Denn Feldhaus verzichtet auf den Showroom.
„Dafür sehe ich keine Verwendung mehr“, sagt er, und Sebastian Bitter fügt hinzu: „Das macht man live beim Kunden, wo es bereits installiert ist.“ Die Kompetenzen in der Company sind klar geregelt.
Wer die Referenzliste von FACE studiert, bekommt leuchtende Augen. Legenden wie die Erwin „Atze“ Kies-Betriebe „Hades“ und „Memphis“ in Dortmund und Franz Norkus’ „Modell Traumwelt “ in Essen finden sich dort ebenso wie das Osnabrücker „Alando Palais“, die Ibbenbürener "Aura“, der Herforder und Münsteraner „Go Parc“, das Neusser „Tribehouse“ und der „Strandkorb“ auf Norderney. Erster Großauftrag Ende 1989 war allerdings das Schüttorfer „Index“, das auch heute noch zu den fleißigen Kunden zählt. Die letzten Großinstallationen machte FACE im Wiener „Prater Dome“, dem Erdinger „Musikpark“ und dem „Sonic“ in Kuppenheim.
Doch auch in anderen Segmenten zeigt FACE Flagge. Die Palette reicht von Freizeitparks und Kirchen über Hotels und Bars
bis zu Opernbühnen und Reitsportzentren. Der Discotheken-Sektor liegt aber immer noch bei über 50 Prozent des Auftragsvolumens. „Unser Konzept ist immer die schleichende Investition“, so Feldhaus, „mit reduzierten Beständen wird gestartet, dann nach und nach ausgebaut.“ Der Kunde spart dadurch in der oft schwierigen Anfangsphase Kosten. „Wir bieten den ganzen Service drum-herum“, führt Sebastian Bitter aus, „und schieben nicht einfach nur das Material aus dem Lager. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, wenn ich eine Discothek baue.“
[Disco Magazin Bericht]